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Zum Risiko einer sog. gewerblichen Infektion einer Ärzte-GbR

(Stand: 11.04.2016)

Die Tätigkeit eines Angehörigen eines freien Berufs ist auch dann noch freiberuflich, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeten Personals bedient, die die Arbeit des Berufsträgers in Teilbereichen und nicht nur von untergeordneter Bedeutung ersetzt. Fachlich vorgebildetes Personal sind nicht immer nur die im Betrieb des Freiberuflers angestellten Personen, sondern es kann sich auch um Subunternehmer oder freie Mitarbeiter handeln.

Werden allerdings die freiberuflichen Leistungen in nicht unerheblichem Umfang ohne leitende und eigenverantwortliche Beteiligung der berufsangehörigen Gesellschafter erbracht, kommt es steuerlich zu einer Umqualifizierung der freiberuflichen Einkünfte in gewerbliche (sog. gewerbliche Infektion) und zwar aller freiberuflichen Einkünfte der GbR (sog. Abfärbung), mit der Folge, dass die gesamten Einkünfte auch der Gewerbesteuer unterliegen.

Diese Rechtslage bestätigte der BFH erneut in seinem erst jüngst veröffentlichten Urteil vom 03.11.2015 (VIII R 62/13). In dem Urteil ging es um eine Ärzte-GbR, die eine Ärztin beschäftigte. Diese behandelte – fachlich einwandfrei - Patienten der Praxis, jedoch ohne (ausreichende) leitende und eigenverantwortliche Mitwirkung zumindest eines der die Praxis innehabenden Ärzte. Das Finanzamt behandelte deswegen die gesamten Einkünfte der Praxis-GbR als gewerblich und machte folglich auch die angefallene Gewerbesteuer geltend. Zu Recht, wie der BFH bestätigte.